Elternfortbildung mit vollen Kursen: 60 Ottenbacher Eltern erlernen praktische Methoden
"Kindererziehung ist kein Naturtalent, sondern eine hohe Kunst", sagt Adolf Timm, der 2009 zum ersten Mal Elterntrainings initiierte. Diese schlagen Wellen, bis etwa in die Gemeinde Ottenbach, wo dieses Jahr tatsächlich alle Eltern der Grundschüler und einiger Kindergartenkinder an den neunteiligen Elternfortbildungen der Heldele Stiftung teilnehmen.
Der pensionierte Schulleiter Timm aus Schleswig-Holstein hält den Anteil der Eltern am schulischen Erfolg ihrer Kinder für größer als 50 Prozent. Deshalb definierte er die "36 Gesetze des Schulerfolgs". Diese fanden so großen Zuspruch, dass sich neben den Elternfortbildungen auch ein gleichnamiger Verein, der Elterntrainer ausbildet, aufbaute.
Karl-Otto Kaiser ist ein solcher Elterntrainer. "Es gibt nur in wenigen Regionen Veranstalter von Elternfortbildungen", sagt der Berufsschullehrer. Im Raum Göppingen hörte Bernd Forstreuter, ehrenamtlicher Vorstand der Heldele Stiftung, vor drei Jahren davon, nützte den Kontakt zu dem auch in der Erwachsenenbildung umtriebigen Kaiser und bietet in den Salacher Räumlichkeiten der Firma Heldele seither den Rahmen der Fortbildungen, die seit zwei Jahren immer mehr Zulauf erhalten.
Mittlerweile kommt die Nachfrage mehr einem Ansturm gleich: Allein 60 Eltern aus der Nebengemeinde Ottenbach und das achtköpfige Lehrerkollegium füllen zwei parallele Kurse. "Im Herbst werden wir wahrscheinlich drei Kurse füllen", sagt Grundschulleiter Helmut Kottmann, der zusammen mit Kirchengemeinde, Kindergarten und Bürgermeisteramt ein Netzwerk für Elternarbeit erarbeitet. Die wissenschaftsbasierten, ideenreichen und praxisnahen Elterntrainings sind dessen Kern. "Ich habe nicht nur leicht anwendbare Methoden erlernt, um meinen Kind das Lernen zu erleichtern, sondern habe auch Selbstbewusstsein aus dem Kurs mitgenommen", erzählt Nadine Roehr, Mutter von zwei Kindern. Tanja Firle, vierfache Mutter, nimmt vor allem die Beispiele mit in den Alltag: "Dass die Mühe zählt und nicht die Note, um den Kindern Vertrauen in sich selbst zu geben, weiß man zwar, aber es war wichtig, sich das wieder so anschaulich vor Augen zu führen." Den Müttern und Vätern werde bei den abendlichen Weiterbildungen wieder klar, was sie und ihre Kinder täglich leisten und wozu sie fähig sind.
Denn neben dem rasenden Fortschritt der Technik und Wissenschaft, mit dem Kinder und Eltern Schritt halten wollen, erwarten viele Erwachsene von sich, Karriere und Familie unter einen Hut zu bekommen. "Dabei dürfen Eltern und Schüler nicht alleine gelassen werden", sagt Veranstalter Forstreuter, dessen Elektrotechnik-Firma den Fachkräftemangel durch viele Projekte wie die Elternfortbildungen an der Wurzel packen will.
Damit trotz und gerade wegen mangelnder Zeit der Eltern Kinder selbstständiges Lernen erlernen, können sich Mütter und Väter einige Methoden der Profis in den Fortbildungen aneignen. Dadurch schaffen sie bei sich zuhause eine "lernfreundliche" Umgebung, die das Kind animiert. - Nicht zum Fernsehen, sondern zum Fragenstellen und Ausprobieren.
INFO:
Das Modellprojekt "Technikfreundliche Stadt Süßen" und der Klett Verlag unterstützen die Elternfortbildung und realisieren sie zusammen mit den Elterntrainern und der Heldele Stiftung.
Informationen und Anmeldung unter info@heldele-stiftung.de, www.heldele-stiftung.de, www.elterntraining-schulerfolg.de


Bild:Trainer Karl-Otto Kaiser bei seiner lebhaft-unterhaltsamen Elternfortbildung. Die Grundschule der Gemeinde Ottenbach war mit Eltern und Lehrern geschlossen zu den Kursen angetreten.
(Foto: HELDELE)